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Das gekühlte WLAN

Das gekühlte WLAN

Digital ist das neue Ideal. Alles muss miteinander vernetzt sein und die Steuerung mittels mobiler Devices ist ein Muss. Etwa als TV-Fernbedienung zu Hause. Da wirkt das Sammeln der neuen Panini Fußballsticker anlässlich der FIFA-Fußballweltmeisterschaft in Russland schon richtig retro und oldstyle. Aber Pardon, auch hier kann das traditionelle Printalbum mittlerweile digital vervollständigt werden. Auch im Tourismus und in der Reise- branche ist es längst zu einer Erweiterung durch digitale Assets gekommen. Ein 360 Grad Panorama etwa – der Rundgang im Flieger zum Urlaubsziel – ja mittels Virtual Reality wäre sogar „Probeliegen“ am Strand auf „Britsch Siebzehn hinter der neunten Palme links“ möglich. Dafür müsste man aber die Reisebüros ausstatten und schulen. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, da war digital noch Luxus und keine Notwendigkeit für den Reisenden, geschweige für Agents.

Klimaanlage in Betrieb

Schlendern wir heute durch die Straßen, egal in welchem Örtchen, und blicken auf Fenster und Türen diverser Kaffees, Brasserien, Taperias usw., sticht der dicke Schriftzug „Free WiFi“ sofort ins Auge. Aber was war davor? Die Klimaanlage. Wo heute der Sticker von Freewave, Foursquare, Apple Pay und Google prangt, stand vor ca. 15 Jahren noch „Klimaanlage in Betrieb“. Auch die erste Frage der dampfenden Gäste an der Rezeption, etwa in Ägypten, war nicht: Wie lautet das WLAN Passwort, sondern: Besitzen Sie eine Klimaanlage? In vielen Hotels wird heute, noch bevor die Zimmernummer mitgeteilt wird, das Passwort fürs WLAN genannt. Um dem Gast sofort die Möglichkeit zu geben #IAmInHoliday zu posten. Beantworten Sie mir bitte eine Frage: Hatte Ihr Auto im Jahr 2000 ein Klimasteuerungsgerät bereits in der Standardausstattung inkludiert oder war dies noch ein teures und nobles Gadget? 1960, als die Harlem Globetrotters zu Besuch in der Stadthalle waren, wurde noch „Klimaanlage in Betrieb“ groß auf die Werbeplakate gedruckt. Heute ist kalte Luft eine Selbstverständlichkeit.

Content ist das Thema

Den digitalen Weg zu bestreiten bedeutet aber nicht nur sämtliche Räume mit WiFi auszustatten und somit alles zu vernetzen, sondern vielmehr das Erstellen von Inhalt. „Unique Content“ zählt und hebt das jeweilige Produkt vom anderen ab. Zuerst kam mit Facebook das soziale Netz zum Vernetzen, danach Instagram mit Teilen von Bildern (vergleichbar mit Postkarten, nur mit mehr impact) und danach kam das Erweitern und Kombinieren beider Plattformen wie die daraus resultierenden weiteren Sozialen Netzwerke (Snapchat, Pinterest usw.). Alle Netzwerke haben eines gemein: Jeder User erstellt Content, den man sich zu Nutzen machen kann. Twitter als Kurznachrichtendienst führte die Postings mit der Raute ein. Thema Hashtags: Diese Stricherl helfen Content zu branden und somit etwa eine Reise wie #chaluk_wow zu einem buchbaren Produkt zu machen, mit stetig erweiterbaren Inhalten (Fotos, Videos, 360 Grad usw.). Eine Reise im Reisebüro kann/muss somit nicht mehr nur mit fünf Bildern im Reisekatalog angepriesen werden. Sie ist mittlerweile interaktiv und 365 Tage sichtbar!

Zeitungsständer ade!

Schon wieder bimmelt mein Smartphone. Eine Push Notification – da bin ich gleich bei der nächsten Transformation analog- digital und dem Thema verzögerte Infor- mation: Etwa Flugplanänderungen, die müssen nicht mehr gedruckt und mit verbundenen Kosten dem Kunden überliefert werden. 2002 sah ich das letzte Mal im Cluburlaub den Zeitungskiosk mit inter- nationalen Newspapers, zeitverzögert und zu hohen Preisen versteht sich, vorm Haupt- restaurant stehen. Die Möglichkeit einer gebrandeten Agenturzeitung in Kooperation mit Tageszeitungen wäre eine Revolution und leicht via Tablets und Co. mittels zugesandtem Zugangscode bei Buchung einer Reise eine neue Möglichkeit, um Medien und Reiseunternehmen enger zu verbinden. Zeitungen zur freien Entnahme auf Flügen werden schon lange, etwa an Bord von Austrian Airlines, als eJournals vertrieben. Um jetzt wieder zu meiner geliebten Klimaanlage zurückzukehren, sehe ich ein Problem: Fällt das WiFi aus, habe ich viele unglückliche Kunden und gereizte Eltern, Ehemänner und auch Frauen, da die Abwechslung und das Miteinander fehlt bzw. verlernt wurde. Ist nun der digitale Weg Segen oder Fluch? Verlernen wir irgendwann zu kommunizieren? #WhoCares und #LOL, solange das WiFi am Flug funktioniert, ist alles gut.

Dieser Artikel wurden ebenfalls im traveller veröffentlicht. Ausgabe No. 17|2018